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Gemeinsam in derNatur
Naturpark Stromberg-Heuchelberg, Störche, Nachwuchs, Jungtiere ©Matthias Dreizler

Ein Storch wird flügge – Junggesellenreise nach Afrika

In meiner Funktion als Geschäftsführer des Naturparks Stromberg-Heuchelberg habe ich Anke im Interview schon Rede und Antwort über meinen Arbeits- und Wohlfühlort gestanden. Heute darf ich als Gastautor selbst in die Tasten greifen. Diese Gelegenheit will ich nutzen, um von einem ganz besonderen Bewohner des Naturparks zu erzählen, der eine große Reise vor sich hat.

Ein Storchen-Junges im Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Die Rede ist von einem unserer jüngsten Park-Bewohner, denn im Frühjahr gab es Nachwuchs in der Storchen-Familie am Naturparkzentrum! Ab März, dem Beginn der Brutzeit, lagen wir schon auf der Lauer. Als wir dann Ende April beobachten konnten, wie ein Storch immer auf Futtersuche ging, während der andere das Nest nicht verließ, war alles klar: Wir sind Storch! Ein Küken mit schwarzem Schnabel hatte das Licht der Welt erblickt.

Der Ring ums Bein dient als Geburtsurkunde

Um die Tiere ein Leben lang identifizieren zu können, beringen wir sie so früh es geht. Über den Storchen-Papa wissen wir leider nichts, er ist unberingt. Die Storchen-Mama kommt aus der Rheinebene, aus Linkenheim-Hochstetten. Sie trägt ihren Ring mit der Nummer AK653 am linken Bein, was bedeutet, dass sie in einem ungeraden Jahr (2013) geschlüpft ist. Demnach haben wir unseren jungen Storch am rechten Bein beringt. Übrigens: Schon im Laufe des Sommers werden sich Beine und Schnabel des jungen Storches wie bei den Eltern kräftig rot verfärben – Alt- und Jungstörche sind dann praktisch nicht mehr zu unterscheiden.

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Einen jungen Storchen erkennt man an seinem schwarzen Schnabel und seinen blass gefärbten Beinen. ©Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Erste Flugversuche im Schoße der Familie

Normalerweise legen Störche bis zu sieben Eier, von denen durchschnittlich drei bis vier schlüpfen. Diesmal hat es nur ein Junges geschafft. Doch wir lassen der Natur ihren Lauf und greifen nicht ein. Einzig einen Holzmasten mit einer Trägerplatte haben wir aufgestellt, damit die Störche sich darauf ein Nest bauen können. Einige Wochen nach der Geburt unternahm das Junge dann unter den wachsamen Blicken seiner Eltern die ersten Flugversuche. Wenn unser Storch ausgewachsen ist, wird er eine Flügel-Spannweite von rund zwei Metern erreichen. Dann kann er sich die Thermik zunutze machen und im Segelflug bis zu 400 km am Tag zurücklegen.

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Erste Flugversuche im Naturpark Stromberg-Heuchelberg. ©Matthias Dreizler

Junggesellenreise nach Afrika

Im August sammeln sich die Jungvögel instinktiv auf großen Wiesen und unser Storch wird gemeinsam mit vielen anderen seiner Art nach Afrika reisen. Manchmal kann man dabei bis zu 20 Tiere auf Dächern großer Gebäude, etwa Kirchen, beobachten. Ein eindrucksvoller Anblick! Auf dem Weg nach Afrika fliegen die Störche entweder über die Ostroute via Türkei und Jordanien oder über die Westroute via Spanien und Gibraltar. Für eine direkte Überquerung des Mittelmeers fehlen über dem offenen Wasser die tragenden Aufwinde für den kraftsparenden Segelflug. In Afrika leben die Jungtiere so lange, bis sie geschlechtsreif sind. Dann wird unser Storch zurück in seine Heimatregion kehren, sich ein Nest und einen Partner suchen und in der Balz- und Brutzeit mit lautem Geklapper auf sich aufmerksam machen.

Storchen-Eltern sind horsttreu

Und die Eltern? Früher glaubte man, Störche überwinterten schlafend unter Wasser. Heute ist der Storchenzug nach Afrika intensiv erforscht. Im Herbst verlassen auch unsere Storcheneltern den Naturpark Stromberg-Heuchelberg, und obwohl sie nicht gemeinsam wegfliegen, sind sie „horsttreu". Das bedeutet, dass sie im Frühjahr zum Horst am Naturparkzentrum zurückkehren und wieder zueinander finden. Dieses Verhalten können wir bereits seit 2014 beobachten, denn so lange wohnen die beiden schon bei uns. Bis auf ein Jahr hatten sie auch immer Nachwuchs. Doch mit großer Wahrscheinlichkeit wird unser jüngster Storch seine Geschwister nie kennen lernen, da sie alle fortgezogen sind und vielleicht schon eigene Familien gegründet haben.

Freund und Feind: der Mensch

In der Vergangenheit hatten es die Störche ziemlich schwer: Durch die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen wurde der Lebensraum der Störche immer weiter eingeschränkt. Umso bemühter waren viele Menschen, den Tieren wieder etwas zurückzugeben. In Baden Württemberg wurden beispielsweise Wiesenflächen angelegt, Storchen-Aufzuchtstationen geschaffen, Brutnester aufgestellt und zugefüttert. Im Naturpark Stromberg-Heuchelberg leben inzwischen ungefähr 20 Störche, in Baden-Württemberg sind es über 1.000 Paare. Ich hoffe, sie werden uns noch viele Jahre erhalten bleiben!

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Gastautor Dietmar Gretter, Geschäftsführer Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Gastautor Dietmar Gretter

Geschäftsführer Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Bereits seit über zehn Jahren ist Dietmar Gretter Geschäftsführer des Naturparks Stromberg-Heuchelberg. Sein Beruf ist mehr eine Berufung, denn für ihn ist der Naturpark ein Ort zum Genießen und Ausspannen. Sein persönlicher Wohlfühlort im Park? Der Ausblick von seinem Büro auf denn Stausee Ehmetsklinge. „Die Stimmung ist einzigartig und jeden Tag neu", schwärmt er.

Kommentare

Am 10. November 2018 von Tamara und Tanja Gyra

Wir warten jedes Jahr gespannt, ob es Nachwuchs bei den Störche in Zaberfeld gibt. Das Küken dieses Jahr bekam von uns den Namen "Ehmi". :) Da wir nicht weit weg wohnen haben wir die Familie öfters mal besucht :)). Guten Flug kleiner Ehmi und komm gesund zurück, die Eltern natürlich auch :) Antworten
Anke Albrecht, Marketingmanagerin

Am 12. November 2018 von Anke

Hallo Tamara, hallo Tanja, ein schöner Name! :) Wir hoffen auch, dass der junge Storch gut zurückkommt. Und im nächsten Jahr wird es dann hoffentlich erneut Nachwuchs geben. :) Liebe Grüße, Anke
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